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Aktuell

Zum Internationalen Frauentag 2014: Die Arbeit bleibt – die Zeit drängt!

(cb) Zugang zu allen Berufen und zum Arbeitsmarkt, freie Verfügung über das eigene Gehalt, Kündigungsschutz und Arbeitsplatzgarantie bei Schwangerschaft und nicht zuletzt auch außerfamiliäre Kinderbetreuungsangebote – all dies sind wichtige Errungenschaften der Frauenbewegung, es sind Gleichstellungsmeilensteine. Heute scheint es selbstverständlich, dass Frauen berufstätig sind, dass immer besser qualifizierte Frauen ihre wirtschaftliche Unabhängigkeit durch Erwerbsarbeit sichern. Doch trügt der Schein des Fortschritts nicht?

Versorgungsarbeit (= care) bleibt Frauensache

Arbeit ist nur scheinbar gleich Arbeit. Denn Arbeit, die im Bereich der Reproduktion und Versorgung geleistet wird (care), wird oft ausgeblendet oder in ihrem Stellenwert unterschätzt. Sie wird auch 2014 noch zum allergrößten Teil von Frauen bewältigt: Unbezahlt als Haus-, Erziehungs- und Pflegearbeit, bezahlt als Dienstleistungen im Erziehungs-, Gesundheits-, Pflege- und Reinigungssektor, die vom Sozialstaat in die freie Marktwirtschaft ausgelagert wurden. Das hat mehrere Gründe. Die traditionellen Rollenzuschreibungen sehen für diese Arbeiten Frauen vor; Männer übernehmen nicht genügend Verantwortung in diesem Bereich; Männerjobs sind durchschnittlich besser bezahlt; das Steuer- und Sozialversicherungssystem favorisiert die Versorgungspartnerschaft.

Frauen, die ihre bezahlte Erwerbstätigkeit aufgeben oder reduzieren bzw. reduzieren müssen, um unentgeltlich CARE-Arbeit zu leisten, gehen jedoch ein Risiko ein. Zunächst verschlechtern sich ihre beruflichen Aufstiegsmöglichkeiten, und schlussendlich – noch verstärkt durch die Karrierebremse im Beruf –  erhöht sich ihr Armutsrisiko im Alter, insbesondere wenn die Partnerschaft zerbricht. Die hohe Teilzeitarbeitsrate unter Frauen in Luxemburg tickt somit wie eine Zeitbombe – auch wenn sie momentan die Frauenerwerbsquote verschönert, die in Luxemburg bei 57% liegt. Auf ein Vollzeitäquivalent umgerechnet sinkt sie auf 47,8%. Bei Männern sinkt die Erwerbsquote nur um 1,5% auf 71,8%.[1]

Chancengleichheit ist auf dem Arbeitsmarkt auch in diesen Aspekten nicht gegeben:

–       die fortbestehende Lohnungleichheit;
–       die Karrierebremse „Gläserne Decke“;
–       die Verbreitung von Mindestlohnjobs in Handel und Horesca;
–       die Vereinbarkeit von Familie und Beruf, insbesondere für die vielen alleinerziehenden Frauen und in den Serviceberufen;
–       der schwierige Zugang zum Arbeitsmarkt für Frauen, die aus Nicht-EU-Ländern kommen.

In Zeiten steigender Arbeitslosigkeit sind Frauen verstärkt damit konfrontiert, auf Rechte im Bereich Stillen, Congé parental und Congé pour raisons familiales zu verzichten, um den Arbeitsplatz nicht zu gefährden.

Verantwortung übernehmen

Grundsätzlich müssen beide Geschlechter Verantwortung teilen. Das gilt besonders für die unbezahlte, aber auch für die bezahlte Care-Arbeit, deren Bedeutung und wirtschaftlicher Wert gesamtgesellschaftlich unterschätzt wird.

Dem Staat obliegt es, die steuer- und sozialversicherungspolitischen Rahmenbedingungen so zu verändern, dass beide Partner gleichermaßen angehalten werden, über Erwerbstätigkeit ihre soziale Absicherung aufzubauen. Er muss auch weiterhin in erschwingliche Kinderbetreuungsangebote von hoher Qualität investieren, die den Arbeitszeiten von berufstätigen Eltern angepasst sind.

Männer müssen motiviert und unterstützt werden, Verantwortung für die unbezahlten Versorgungstätigkeiten zu übernehmen. Von einer Aufwertung der bezahlten Versorgungstätigkeiten profitieren beide Geschlechter.

Zeit für neue Arbeitszeitmodelle, für zukunftsfähige Alternativen

Veränderungen müssen ebenfalls in der Arbeitswelt stattfinden. Um neue Arbeitszeitmodelle ist es viel zu ruhig geworden. Allenfalls regeln einzelne Unternehmen das selbst. Von einer allgemeinen Arbeitszeitverkürzung mit oder ohne Lohnausgleich geht schon lange nicht mehr die Rede. Flexibilisierung von Arbeitszeiten darf aber nicht nur der Gewinnmaximierung der Wirtschaft dienen sondern muss den Bedürfnissen und Zwängen von Eltern und Versorgenden Rechnung tragen. Frauen – und Männer – dürfen dadurch nicht benachteiligt werden.

Feministisches Handeln bedeutet, Dominanz- und Herrschaftsverhältnisse in den Blick zu nehmen. Mit Bezug auf die Situation der Frauen in der Arbeitswelt bedeutet das aber, das übergreifende wirtschaftspolitische System, in dem wir leben, kritischer zu betrachten. Gibt es eine Alternative zum quantitativen Wachstum, durch das Konkurrenz, Effizienz und Zeitdruck sich ständig erhöhen und neue Abhängigkeiten und Ausbeutungsformen entstehen? Die Nachhaltigkeitsdebatte in Luxemburg, die inzwischen zaghaft eine Infragestellung des aktuellen Wirtschaftsmodells versucht, hat die genderspezifischen Aspekte noch nicht genug in den Blick genommen. Diese Arbeit bleibt dann wohl auch wieder an den Frauen hängen, mögen manche stöhnen. Aber wir sollten uns als Frauen bewusst sein, dass es auch an uns liegt, diese – für uns! – wichtige Debatte wieder anzustoßen und aktiv zu bestimmen. Machen wir uns gemeinsam an die Arbeit!

Deshalb: am 8. März mitmachen und die Aktion der Plattform JIF2014 unterstützen!



[1] Quelle: European Commission : DG Employment, social affairs and equal opportunities, actualisation du 20/07/2010

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