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Aline Mayrisch-de Saint-Hubert (1874-1947)

Die Gründerin der bürgerlichen Frauenbewegung

Aline de Saint-Hubert, Tochter eines Holzgroßhändlers, heiratet 1894 den Hütteningenieur Emile Mayrisch, der zum Generaldirektor des Stahl- und Eisenkonzerns ARBED aufsteigt. Sie ist sehr stark an Kunst und Literatur interessiert, weitere Interessensgebiete sind die Sozialhilfe und die Frauenrechte. Zusammen mit anderen bürgerlichen Frauen gründet Aline Mayrisch-de Saint-Hubert im Jahre 1906 den “Verein für die Interessen der Frau”, erster Ausdruck einer organisierten Frauenbewegung in Luxemburg. Die enge Verbindung des Vereins zu liberalen Kreisen und die gehobene gesellschaftliche Stellung vieler seiner Mitglieder bestimmen seine politische Linie. 1

Die Arbeit des Frauenvereins betrifft ganz konkrete Bereiche wie etwa die Stellenvermittlung und den Rechtsschutz für Frauen. Er ist aber auch aufklärerisch tätig, indem er eine Sozialenquete über die Wohnungsverhältnisse der Arbeiterfamilien durchzieht. Daneben organisiert er Konferenzen – häufig mit bekannten ausländischen Frauenrechtlerinnen – zu Themen wie Kinder- und Mutterschutz oder zum Frauenstimmrecht.

Wichtigstes Anliegen des Vereins ist jedoch die Schaffung eines Mädchengymnasiums. Der Bildungsnotstand der luxemburgischen Frauen soll ein Ende haben; sie sollen das Recht auf eine ranggleiche höhere Bildung erhalten. Der “Verein für die Interessen der Frau” fordert eine staatliche, nichtkonfessionelle Sekundarschule mit dem Abitur als Studienabschluss für die luxemburgischen Mädchen. So werden sie auch Zugang zum Hochschulstudium bekommen und liberale Berufe ausüben können.2

Zusammen mit ihrem Mann setzt sich Aline Mayrisch-de Saint-Hubert nach dem Weltkrieg für die Verständigung zwischen Frankreich und Deutschland durch kulturellen Austausch ein. Sie ruft zahlreiche Komitees ins Leben, die im Bereich der Sozialhilfe tätig sind, gründet das Luxemburger Rote Kreuz und engagiert sich für die Schaffung einer modernen Entbindungsklinik.

Aline Mayrisch-de Saint-Hubert zieht sich in den Dreißigerjahren immer stärker in die Welt der Literatur und der religiösen Mystik zurück. Im Jahre 1939 zieht sie nach Südfrankreich um, wo sie 1947 stirbt.3

Nach ihr benannt ist das 2001 gegründete Lycée Aline Mayrisch in der Stadt Luxemburg.


1 Germaine Goetzinger, Der ‘Verein für die Interessen der Frau’ oder Bürgerliche Frauenbewegung in Luxemburg, in Germaine Goetzinger, Antoinette Lorang, Renée Wagener (Hrsg.) “Wenn nun wir Frauen auch das Wort ergreifen…”, Luxembourg 1997, S. 63-79.

2 Germaine Goetzinger, Nie wöllt ech an dem Lycée sinn, Dur gi’ fei’ Médercher net hin, in Ons Stad Nr. 77 2004, S. 19.

3 Sonja Kmec, Renée Wagener (et al.), Frauenleben–Frauenlegenden. Ein Streifzug durch 1000 Jahre Stadtgeschichte: Persönlichkeiten, Geschichte(n) und Hintergründe, Luxembourg 2007, S. 32.


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