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Marie-Paule Molitor-Peffer (1929-1999)

Die Aufklärerin

Marie-Paule Molitor-Peffer, seit 1958 Gynäkologin, wird beim Luxemburger Zweig des internationalen „Mouvement pour le Planning Familial“ aktiv. Dieser propagiert Familienplanung als Grundlage einer glücklichen Partnerschaft – in Luxemburg zu dieser Zeit ein Tabubruch. Die Ärztekammer läuft gegen die Schaffung von Familienplanungszentren in Luxemburg Sturm. Gegen Marie-Paule Molitor-Peffer wird eine Disziplinarprozedur angestrengt. Schließlich bringt Rechtsanwalt Robert Krieps, der sie verteidigt, die Affäre gar vor den Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte.

Von 1981 bis 1992 ist Marie-Paule Molitor-Peffer Präsidentin des im Jahre 1965 gegründeten “Planning Familial” in Luxemburg. Sie setzt sich für eine moderne Sexualerziehung, für den Zugang zu Verhütungsmitteln und die Entkriminalisierung der Abtreibung ein. Auch die Gewalt gegen Frauen und die sexuelle Misshandlung von Kindern macht sie zum Thema. In zahlreichen Stellungnahmen und Briefen an die Zeitungsredaktionen schneidet sie Probleme an, die in der Luxemburger Gesellschaft der sechziger und siebziger Jahre tabu sind. Marie-Paule Molitor-Peffer stirbt 1999 bei einem Unfall.

Auf Betreiben von Familienministerin Madeleine Frieden wird der „Planning familial“ ab 1972 vom Staat subventioniert. Neben dem Zentrum in der Hauptstadt entstehen in den 1970er Jahren weitere Zentren in Esch/Alzette und Ettelbrück. In der im Jahre 1978 reformierten Luxemburger Gesetzgebung zur Abtreibung werden die Familienplanungszentren gesetzlich verankert. Ein Jahr später wird die Verteilung der vom „Planning“ editierten Broschüre Lieben an die Sekundarschulklassen durch das Familienministerium gestoppt.

Der „Planning Familial“ bietet seit den 1980er Jahren auch psychologische und Familienberatung an, in den 1990er Jahren kommt die Aidsberatung dazu. Anfang des neuen Jahrtausends wird auch Täterarbeit mit verurteilten Gewalttätern geleistet. Trotz der wichtigen Arbeit des „Planning Familial“ dauern die Finanzierungsprobleme bis heute an.1

 


1Sonja Kmec, Renée Wagener (et al.), Frauenleben–Frauenlegenden. Ein Streifzug durch 1000 Jahre Stadtgeschichte: Persönlichkeiten, Geschichte(n) und Hintergründe, Luxembourg 2007, S. 27-28.

Histoire d’amour… 40 ans Planning Familial 1965-2005. Luxemburg, 2005. http://www.planningfamilial.lu/pdf/broch40ans.pdf.

 

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