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Thers Bodé (1954-1989)

Die grüne Feministin

Es gibt in den Siebziger- und Achtzigerjahren kaum eine Bewegung, in der sie nicht aktiv ist: Friedensbewegung, Gewerkschaftsbewegung, Anti-Atom- und Umweltbewegung. Thers Bodé, aus der radikalen und alternativen Linken kommend, ist 1983 Mitbegründerin der Luxemburger Grünen. Später wird sie Mitglied im Vorstand des „Mouvement écologique“. Die Freizeitjournalistin macht Anfang der Achtzigerjahre bei der ersten freien Radiostation „Radio Grénge Fluesfénkelchen“ und anschließend beim illegalen Sender Radio Radau mit. Sie spielt mit Leidenschaft Theater. Sie ist ebenfalls Mitglied im Redaktionsteam der Zeitung „GréngeSpoun“.

Thers Bodé ist aber auch und vor allem praktische Feministin. Als Mitglied des MLF, geprägt von der europäischen Frauenbewegung, ist sie maßgeblich daran beteiligt, der jungen grünen Partei neben feministischen Inhalten auch frauenfreundliche interne Regeln und Statuten zu geben: Paritätische Redelisten, paritätisch besetzte Gremien und Wahllisten, ein aktiver grüner Frauenrat.

Ihre Analyse der gesellschaftlichen Strukturen, die Frauendiskriminierung produzieren, ist aber breiter angelegt. So hält Thers Bodé beim Frauentag 1989, der unter dem Motto „Frauen gegen Rassismus“ steht, ein Referat zu den Zusammenhängen zwischen Sexismus und Rassismus. Darin heißt es:

Alle Eigenschaften, die in einer christlich-patriarchalischen Kultur Frauen zugeschrieben werden, dauernde sexuelle Verfügbarkeit, Kindlichkeit, geringe Intelligenz, Emotionalität, Lüsternheit, Haltlosigkeit…, sind immer wieder auf ethnische Minderheiten oder ganze Völker übertragen worden. […] Rassismus und Sexismus haben beide gemeinsam, dass sie an sog. biologischen Kriterien ansetzen, um eine soziale und politische Stigmatisierung und Diskriminierung zu rechtfertigen, zu untermauern und zu perpetuieren.“ 1

1984 und 1989 kandidiert sie bei den National- und Europawahlen für die Grünen – 1989 mit Erfolg, sie wird ins Parlament gewählt. Doch zu diesem Zeitpunkt ist Thers Bodé bereits schwer krank. Sie stirbt, bevor sie ihr Mandat antreten kann.

Im Andenken an die engagierte Feministin wird das 1992 eröffnete Frauendokumentationszentrum „Cid-Femmes“ nach ihr benannt.


 

1GréngeSpoun, Nr. 8-18(1989).

 

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