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Lydie Schmit (1939-1988)

Die aufrechte Sozialistin

Lydie Schmit stammt aus einer Arbeiterfamilie. Zunächst interessiert sie sich für Pädagogik und wird Sekundarschullehrerin. Ihre Zulassungsarbeit zum Lehramt „Beitrag zur geschichtlichen Entwicklung der Luxemburger Gewerkschaften“ deutet aber bereits auf ihr Interesse für die Arbeiterbewegung hin. Zur „Lëtzebuerger Sozialistesch Aarbechterpartei“ (LSAP) stößt sie 1970, als die LSAP eine Spaltung hinter sich hat. Lydie Schmit engagiert sich zunächst in der Gemeindepolitik von Schifflingen, wird Generalsekretärin der „Femmes socialistes“, die nun einen Aufschwung erleben. Bereits 1973 wird sie Mitglied der Parteileitung und 1974 Parteipräsidentin, die erste Frau in Europa auf einem solchen Posten. Lydie Schmit übernimmt Verantwortung in einem Moment, als erstmals seit Jahrzehnten eine Koalition von DP und LSAP wieder die Regierungsmehrheit stellt, zu einer Zeit der Reformen, aber auch der Krise. Als Parteipräsidentin ist Lydie Schmit sowohl mit internen Auseinandersetzungen um Atom-, Umwelt- und Friedenspolitik als auch mit der Entstehung linker und alternativer Bewegungen konfrontiert, die mit der LSAP konkurrieren. Diese Gruppierungen vertreten etwa in der Abrüstungspolitik Standpunkte, mit denen sie manchmal selbst sympathisiert, die aber nicht dem Kurs ihrer Partei entsprechen.1

1979 wird sie ins Parlament gewählt, tritt aber bereits nach einem Jahr aus der nationalen Politik zurück ins Berufsleben. 1980 wird sie Präsidentin der „Sozialistischen Fraueninternationale“ und so automatisch auch Vizepräsidentin der „Sozialistischen Internationale“. 1984 wird sie zur Europaabgeordneten gewählt. Im Europa-Parlament interessiert sie sich besonders für Frauenpolitik und internationale Solidarität. In dieser Zeit baut sie Kontakte zu zahlreichen internationalen politischen Persönlichkeiten der Linken auf, wie Olof Palme, Willy Brandt oder Mario Soares.

Zugleich aber engagiert sie sich immer stärker für Frauenrechte innerhalb der Sozialistischen Internationale. So setzt sie eine Resolution durch, nach der alle sozialistischen Parteien in ihren Gremien die Parität zwischen Frauen und Männern einführen sollen.

Als sie 1988 an einer schweren Krankheit stirbt, schreibt Mars di Bartolomeo in seinem Nachruf:

Lydie Schmit war keine Realpolitikerin. Sie liebte es, von großen Zielen träumen zu können, und sie war der Meinung, dass man sich sehr wohl etwas mehr vornehmen darf, als das was man sich zutraut, ohne Utopist oder weltfremd zu sein.“ 2


1 Mars di Bartolomeo, Lydie Schmit, ein Leben für große Ziele in Lëtzebuerger Almanach ’89, S. 66-77.

100 Joër sozialistesch Deputéiert an der Lëtzebuerger Chamber, 1997, S.119f.

Ben Fayot: Sozialismus in Luxemburg, von 1940 bis zu Beginn der achtziger Jahre, 1989, S.347, S. 362.

2 Mars di Bartolomeo, Lydie Schmit, ein Leben für große Ziele in Lëtzebuerger Almanach ’89, S. 74.


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